Archiv des MonatsMai, 2007

Deep in Sahara…

… oder doch nur ein Dessert für den deutschen Achterbahnfan?

Desert Race ist eröffnet und läuft und läuft […] und lief. Anscheinend hat die Technik gleich in der zweiten Woche beschlossen in den Streik zu gehen und einen mehrtägigen Ausfall provoziert der anscheinend sogar noch andauert.

Es ist also genug Zeit mal drüber nachzudenken was uns der Park nun schönes in den Innenraum von Colossos gepflanzt hat. Die unerfreuliche Nachricht zuerst: “Es ist ein Rita-Klon”  - aber ein modifizierter Rita-Klon. Man hat in Soltau keine Kosten und Mühen gescheut, das lahme Ende von Rita gegen ein deutlich spektakulärer aussehendes aber leider völlig totgebremstes zu tauschen. Das Layout ist vom Erlebniswert her, somit mit dem von Rita ziemlich identisch. Und wenn man sich die, während der Bauphase geäußerten, Kritiken wieder ins Gedächtnis ruft, macht dies Desert Race zu einer absolut miesen Bahn. Ein Klon und dann noch ein Klon einer Bahn ohne Top-Hat - eine Fehlinvestition, völlig langweilig und kein Grund nach Soltau zu fahren. Aber während sich die Kritiker bei ihrer Kritik hinter dem fehlenden Fahrelement und dem Doppelleben der Bahn verschanzten, schuf man meiner Meinung nach ein wahres Schmuckstück. Die Bahn bietet mit denen von Colossos vergleichbare G-Kräfte, ähnlich viel Airtime, ein deutlich abwechslungsreicheres Layout, den Katapultstart und fährt sich deutlich sanfter als Rita. Sehr schade, dass die Bahn im Gegensatz zu Colossos nicht der Rede wert sein soll. Im internationalem Vergleich mag die Bahn lächerlich sein und es wird immer eine bessere Bahn geben, aber weil einem persönlich die Bahn nicht gefällt/überzeugt von einer Fehlinvestition zu sprechen scheint mir doch stark übertrieben. Und während wir Fans für die Bilanzen der Parks in der Regel keine große Rolle spielen, scheint der normale Besucher nach meinen Beobachtungen sehr begeistert von der Bahn. Gerade das flache Layout ohne spektakuläre Fahfiguren (die das Familienpublikum eher von einer Fahrt abhalten als zu dieser zu motivieren) dürfte einen großen Anteil an diesem Erfolg haben.

Aber natürlich ist das Layout nicht alles. Mit dem Bau von Deep in Africa und der Black Mamba im Phantasialand  rückte auch die Gestaltung von Attraktionen in Deutschland in den Vordergrund. Während es natürlich abzusehen war dass der Heide-Park die mit DiA aufgestellte Meßlatte nicht erreichen oder gar übertreffen würde, hatten die oben genannten Kritiker weiteres Futter für übertriebene Kritik. Natürlich muss sich Desert Race mit DiA messen lassen, aber nur weil die Thematisierung nicht so gut wie dort ist, ist sie nicht automatisch mies. Es gibt sogar Bahnen die so ganz ohne großartige Thematisierung zu gefallen wissen - aber so krass ist der Fall bei Desert Race garnicht. Mit Ausnahme des kaum sichtbaren Wartungsgebäudes wurden bei Desert Race alle Gebäude äußerst aufwendig und detailliert vom Atelier Artistique du Beton gestaltet. Auch wurde das ganze Areal mit dezenter Bepflanzung und Thematisierungsdetails wie zum Beispiel verrosteten Geländewägen oder Ölfässern aufgelockert. Das klingt jetzt alles wenig spektakulär, weiß aber zu gefallen und Atmosphäre zu erzeugen. Aber während man die Thematisierung in Brühl bis zur Perfektion getrieben hat, gibt es in Soltau durchaus Unzulänglichkeiten, die sich nicht unbedingt auf die beschränkten Mittel zurückführen lassen. Am auffälligsten ist hier der auf einer hässlichen Plattform über der Launch-Gerade thronende Hubschrauber. Die Idee den Fahrstand in den Hubschrauber zu legen muss wirlich verlockend geklungen haben, aber die Umsetzung verhindert den Eindruck dass der Hubschrauber fliegt völlig. Mit der großen Plattform, der Wendeltreppe und der Positionierung parallel zur Beschleunigungsgerade über dieser und halb unter dem Stationsdach hängend, wirkt das ganze äußerst plump und undynamisch. Äußerst hässlich sind auch die Züge, bei denen man nicht nur auf eine zum Thema passende Formgebung sondern auch auf jede größere Gestaltung verzichtet hat. Auf der Front prangt das Logo des Parks und an den Seiten wurde jeder Wagen mit einer Nummer und dem Attraktionslogo auf einem weißen Rechteck versehen. Die vielen freien Flächen, ähnlich wie bei echten Rennwagen mit den Firmenlogos fingierter Sponsoren zu bekleben, hätte da schon viel gebracht. Nicht hässlich, aber dennoch nicht schön, ist auch die Plattheit der Wüste. Das ganze Areal ist eine große ebene Fläche - wovon die Dekoelemente, Planzen und Steinhaufen nur schwer ablenken können. Ein paar künstliche Dünen wären schön gewesen - und könnten vielleicht auch den Blick auf den verbliebenen Raum zwischen Desert Race und Colossos verhindern. Aber auch wenn die Kritik hier schon wieder ziemlich ausführlich ausgefallen ist, stören die genannten Punkte nur am Rande und den einen oder anderen vielleicht auch überhaupt nicht - am besten man bildet sich vor Ort seine eigene Meinung.

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Hotelfotos vom 2. Mai

Auch wenn Desert Race, mit der sich in Riesenschritten nähernden Eröffnung am 15. Mai, momentan die interessantere Baustelle stellt (mehr dazu auf der Desert Race Microsite), soll auch die Hotelbaustelle nicht vernachlässigt und mit einigen aktuellen Baufotos gewürdigt werden. Diese wurden freundlicherweise von Fabian Redmann zur Verfügung gestellt.

Auf diesen ist zu erkennen dass die Hotelfassade selber nun fertiggestellt zu sein scheint und man nun bemüht ist die Übergänge zwischen dieser und den alten Fassaden des holländischen Stadtteils herzustellen. Außerdem dürfte der Innenausbau inzwischen auf Hochtouren laufen - der leider von Außen weder zu sehen noch zu fotografieren ist.

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