Den Anwohnern ist es zu laut

Ein etwas älterer aber dennoch interessanter Zeitungsartikel: 

Den Anwohnern ist es zu laut

Gutachter: Gesetzliche Werte durch Heide-Park eingehalten

wu Soltau. Die einen kreischen vor Freude, wenn die Achterbahn in die Tiefe  saust, die anderen möchten am liebs-ten aus der Haut fahren, wenn sie den ganzen  Tag lang die Schreie hören ­ der Krach um den Lärm ist so alt wie der Heide-Park  selbst. Bei jeder Erweiterung und jedem neuen Fahrgeschäft bilden die lärmtechnischen Untersuchungen einen Schwerpunkt der Planungen. Doch auch wenn es den Anwohnern im nahen Friedrichseck subjektiv zu laut ist ­ die gesetzlichen Emissionswerte für die Siedlung werden eingehalten. Zu diesem Schluss kommt Akus-tikingenieur Heiko Achelpöhler (Hannover) in seinem Lärmka-taster, das er am Dienstagabend beim Soltauer Bauausschuss erläuterte. Die Untersuchung beschreibt die Situation an jeder Lärmquelle mit ihrer exakten dreidimensionalen Lage.

Der Anlass dafür klingt im trockenen Verwaltungsdeutsch harmlos: Der Heide-Park hat für drei Fahrgeschäfte die “Befreiung von den lärmtechnischen Festsetzungen der Bebauungspläne³ beantragt, die der Bauausschuss dann auch einstimmig billigte. Letztlich muss aber der Landkreis diese Befreiung erteilen.

Die Anwohner sind damit nicht einverstanden, wie Horst Krüger als Sprecher der Bürger-initiative Friedrichseck “gegen Naturzerstörung durch touristische Großprojekte³ betonte. “Wir werden auf jeden Fall Rechtsmittel einlegen³, kündigte er gestern an. Dabei werde man auch die Möglichkeiten einer Klage und von Schadenersatzansprüchen prüfen. Denn an einigen Tagen sei es so laut, “als wenn Colossos durch den Vorgarten fährt. Man hört jeden Schrei³.

Zu den von einer Befreiung betroffenen Fahrgeschäften ge-hört auch die Holzachterbahn Colossos, die seit vier Jahren in Betrieb ist. Bei Nachmessungen hat sich herausgestellt, dass diese Anlage die vorgeschriebenen Werte nicht einhält. Die Lärm-emission beträgt 65 Dezibel, erlaubt sind laut Bebauungsplan aber nur 60 Dezibel. Ein Anwohner hat daher Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt. Die gesetzlichen Lärmgrenzen in der Nachbarschaft, also am Ortsrand von Fried-richseck, werden allerdings dennoch nicht überschritten, wie Achelpöhler erläuterte. Der Ingenieur hat für den Nord-ostrand von Friedrichseck beispielsweise eine Belastung von 44 Dezibel ermittelt, sechs weniger als erlaubt. Daneben betrifft die Befreiung eine Stahlachterbahn Giga-Coaster und einen Wave-Runner, für die der Heide-Park Bauanträge vorgelegt hat, bei denen aber noch offen ist, wann und ob sie gebaut werden.

Nach Angaben der Stadtverwaltung ist die Befreiung von den Lärmfestsetzungen aber möglich, weil der Bebauungsplan schärfer ist als die gesetzlichen Vorgaben und damit un-nötige Einschränkungen für den Heide-Park festlegt. Das bestätigte auch der Fachanwalt der Stadt, Erich Deter (Hannover). Ziel der Festsetzungen sei der Schutz der Nachbarschaft gewesen. Und der werde auch nach einer Befreiung gewährleistet. Deter betonte, dass bei der Diskussion nur der Heide-Park-Lärm selbst berücksichtigt werden dürfe, andere Lärmquellen wie der Schießstand Grüne Aue oder der Verkehr müssten nach allgemeiner Rechtsauffassung nicht berücksichtigt werden. Deter und Rathausmitarbeiter Christoph Fischer wiesen zudem darauf hin, dass Sonderaktionen wie Pop im Park oder große Veranstaltungen in der neuen Eventhalle bei den lärmtechnischen Untersuchungen und der Befreiung keine Rolle spielen dürften. Sie gälten als so genannte “seltene Ereignisse³, die jeweils einzeln beim Landkreis beantragt werden müssten und für die die Friedrichseck-Lärmgrenzen dann laut Achelpöhler von 50 Dezibel tagsüber und 35 Dezibel nachts auf 70 und 55 Dezibel heraufgesetzt werden. Fünf derartige Events hat der Heide-Park laut Fischer in diesem Jahr organisiert, die rechtliche Obergrenze liege bei 18 “seltenen Ereignissen³ pro Jahr.

Quelle: Böhme-Zeitung (September 2005)

Schreib einen Kommentar